Umbauprogramm Gos 245

   

Nachdem sich die für den Umbau in Bahndienstwagen zur Verfügung stehende Zahl der 3yg-Bauarten durch Ausmusterungen und bereits realisierte Umbauten stark vermindert hat, wurde als Spenderwagen auf die Güterwagenbauart Gos 245 zurückgegriffen. Entwickelt wurden Grundrisse für

     Bauart 412 - Bürowagen
     Bauart 433 - Wohn-Schlafwagen
     Bauart 434 - Wohn-Schlafwagen
     Bauart 440 - Wohn-Werkstattwagen
     Bauart 450 - Aufenthaltswagen
     Bauart 505 - Küchenwagen
     Bauart 519 - Küchenbeiwagen
     Bauart 583 - Aufenthalts-Umkleidewagen

Aktiv in das Umbauprogramm einbezogen wurden zunächst jedoch nur die Wohn-Schlafwagen- und die Wohn-Werkstattwagen-Bauarten, die in kleinen Serien gefertigt wurden. Bei diesen blieb das Gos-Untergestell erhalten und lediglich der Aufbau wurde komplett neu gestaltet. Unter Verzicht auf die bei den 3yg-Wagen an den Wagenenden vorhandenen Einstiegsräume ergab sich eine geringfügig größere Nutzlänge, wobei die Wagen jedoch schmaler sind als die 3yg-Wagen.
Für die anderen Bauarten wurde ein Bedarf erst gesehen, wenn die noch vorhandenen Dienstwagen auf 3yg-Basis zur Ausmusterung anstanden. Dementsprechend wurden von diesen Bauarten nur Prototypen hergestellt, die sich (bis auf den Bürowagen 412 und den Aufenthalts-Umkleidewagen 583) rein äußerlich von den bereits umgebauten Wagen der Bauarten 433, 434 und 440 unterschieden und optisch starke Ähnlichkeit mit den 3yg-Wagen hatten. Aus Gründen der Einheitlichkeit war man bestrebt, an der bisherigen bewährten Raumeinteilung festzuhalten. Demzufolge wurden für diese Bauarten die Gos-Untergestelle beidseitig verlängert und somit Einstiegsräume analog den 3yg-Wagen geschaffen. Der Küchenbeiwagen erhielt jedoch nur einen Einstiegsraum. Auf diese Weise wurden im Vergleich zu den entsprechenden 3yg-Bauarten weitestgehend identische Grundrisse verwirklicht, während dies bei den drei "kurzen" Bauarten (433, 434 und 440) nicht zu realisieren war.

Vermutlich aufgrund der Vereinigung von DB und DR und der anschließenden Umorganisation der kompletten Konzernstruktur, von der auch die "bauenden" Dienststellen betroffen waren, war ein weiterer Umbau von Gos 245 in Bahndienstwagen nicht mehr erforderlich. Es blieb daher beim Umbau von 58 Wagen, die sich wie folgt auf die verschiedenen Bauarten verteilten:

     Bauart 412 - 1
     Bauart 433 - 17
     Bauart 434 - 14
     Bauart 440 - 22
     Bauart 450 - 1
     Bauart 505 - 1
     Bauart 519 - 1
     Bauart 583 - 1

Zur Bauart 583 ist noch anzumerken, dass in der Veröffentlichung von Manson/Protzen (siehe Quellenhinweise) auf diese Bauart überhaupt nicht eingegangen wurde. Es ist daher anzunehmen, dass die Entwicklung dieser Bauart erst später in das Umbauprogramm aufgenommen wurde und analog zu den "langen" Bauarten nur ein Prototyp hergestellt wurde. Äußerlich glich er jedoch weitgehend den "kurzen" Bauarten 433, 434 und 440. Eine weitere Besonderheit dieses Wagens ist, dass er vermutlich nie als Aufenthalts-Umkleidewagen 583 beschriftet war, sondern immer nur als Wohnschlafwagen 583. Evtl. kann diese Vermutung einer der Leser (bildlich!?) bestätigen oder widerlegen.

Die in Kleinserie gebauten Bauarten 433, 434 und 440 sowie die Einzelstücke der Bauarten 412 und 583 sind rein äußerlich kaum zu unterscheiden. Eine Wagenseite hat lediglich zwei nebeneinanderliegende Fenster, deren Anordnung jedoch bei allen Bauarten identisch ist. Lediglich bei der Bauart 583 weicht die Anordnung durch einen größeren Abstand der Fenster zueinander ab und auch der Abstand des rechten Fensters zur Tür scheint größer als bei den Bauarten 433, 434 und 440 zu sein. Anhand der anderen Wagenseite lassen sich zumindest die Wagen der Bauart 433 unterscheiden. Bei dieser Bauart ist direkt rechts vom Einstieg ein Fenster eingebaut, links dagegen erst in einiger Entfernung vom Einstieg. Dagegen haben die Bauarten 434 und 440 direkt zu beiden Seiten des Einstiegs ein Fenster. Auffallend ist hier jedoch, dass es vermutlich Abweichungen in der Anordnung des Fensters links von der Tür gegeben hat. Der Abstand zwischen Tür und Fenster kann hier augenscheinlich genauso breit sein wie auf der Seite rechts der Tür (siehe zum Vergleich beim 956 0 011) oder aber etwas größer sein (siehe zum Vergleich 092 3 740 (unteres Bild)), aber bei weitem nicht so groß wie bei den Wohnschlafwagen 433. Genaue Maße und die Hintergründe für diese unterschiedlich Fensteranordnung sind mir zur Zeit leider nicht bekannt. Den etwas größeren Abstand haben nach meiner Kenntnis 40 80 956 0 013-1 und 60 80 092 3 740-5 (beide Wohnschlafwagen 434). Ob von dieser abweichenden Fensteranordnung auch Wohnwerkstattwagen 440 betroffen sind vermag ich zur Zeit nicht zu sagen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Wohn-Werkstattwagen 440 ist die fehlende Jalousie am Fenster des Werkstattbereichs.

Die Wagen waren in überwiegender Mehrheit den Gleisbauhöfen der Bundesbahndirektionen zugeteilt (Dienststellennummern xx744), waren aber auch bei anderen Dienststellen zu finden, so z. B. auch beim Lehrhilfszug des Bw Hamm 1 und bei einigen Brückenbauhöfen.

In der nachfolgenden Tabelle sind alle Wagen aufgeführt. Durch Klicken auf das Kamerasymbol  ()  hinter der jeweiligen Wagennummer wird zu dem entsprechenden Wagen auf der Fotoseite zu diesen Bauarten verlinkt.

Wagennummer Bauart Dienststelle Sonstiges/Verbleib
40 80 956 0 000-8  440 Brb Karlsruhe  
40 80 956 0 001-6 440 Glb Hanau  
40 80 956 0 002-4 440 Glb Augsburg  
40 80 956 0 003-2 433 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 004-0 433 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 005-7  433 Glb Heilbronn -> Eisenbahnbedarf Bad Nauheim
-> 60 80 092 4 881-6 [P] -> 49 80 120 0 283-4 [P] Fa. Schweerbau
40 80 956 0 006-5  433 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 007-3  433 Bw Hamm (Westf) 1 Lehrhilfszug
40 80 956 0 008-1  412 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 009-9 434 Brb Köln  
40 80 956 0 010-7  434 79133 -> Draisinenbahn Tiefensee - Sternebeck
40 80 956 0 011-5  434 Glb Hanau ex 152 1 411 ex 212 919; MAN 1956/142487
40 80 956 0 012-3  434 79133  
40 80 956 0 013-1  434 Brb Karlsruhe ex 152 6 203 Gbs 245 ex DB 208 476 Glmhs 50; Ub 1981
-> SEM Chemnitz-Hilbersdorf
40 80 956 0 014-9  433 19900 -> "Die Bahnmeisterei", Heilbronn
40 80 956 0 015-6  433 Glb Opladen -> Draisinenbahn Tiefensee - Sternebeck
40 80 956 0 016-4 433 Glb Hamburg-Harb.  
40 80 956 0 017-2  433 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 018-0 434 79133  
40 80 956 0 019-8 433 19900  
40 80 956 0 020-6 434 Glb Opladen  
40 80 956 0 021-4 434 Glb Opladen  
40 80 956 0 022-2 434 55067  
40 80 956 0 023-0 434 Glb Hanau -> über Eisenbahnbedarf Bad Orb nach Italien verkauft
40 80 956 0 024-8  440 Glb Augsburg -> 60 80 092 3 040-0 RWE
40 80 956 0 025-5 440 Glb Opladen  
40 80 956 0 026-3  505 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 027-1  519 19900  
40 80 956 0 028-9  450 Glb Hanau -> 60 80 092 3 089-7 Infraserv Hoechst
40 80 956 0 029-7  434 79133  
40 80 956 0 030-5 440 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 031-3 440 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 032-1  583 Glb Duisburg-Wedau später auch Deutsche Bahnbau (19900)
-> AMP Bahnlogistik -> WFL
40 80 956 0 033-9 440 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 034-7 440 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 035-4 440 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 036-2 440 Glb Duisburg-Wedau ex 152 1 324
40 80 956 0 037-0 433 Glb Hannover-Leinh.  
40 80 956 0 038-8 433 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 039-6 433 Brb Karlsruhe  
40 80 956 0 040-4 433 Glb Nürnberg Crede 1956/32071
40 80 956 0 041-2 434 Brb Hamburg-Lokst.  
40 80 956 0 042-0 440 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 043-8 440 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 044-6  440 Glb Duisburg-Wedau -> 60 80 092 3 847-8 Spritzzug der Fa. Bayer CropScience Deutschland GmbH; Herst. Fuchs 1956
40 80 956 0 045-3 440 Glb Duisburg-Wedau  
40 80 956 0 046-1  440 Glb Hamburg-Harb. -> 60 80 092 3 041-8 RWE
40 80 956 0 047-9  440 Glb Hamburg-Harb.  
40 80 956 0 048-7 440 Glb Karlsruhe  
40 80 956 0 049-5 440 Glb Nürnberg  
40 80 956 0 050-3 440 Glb Homburg (Saar)  
40 80 956 0 051-1 440 Glb Homburg (Saar)  
40 80 956 0 052-9 440 Glb Heilbronn  
40 80 956 0 053-7 433 Glb Opladen  
40 80 956 0 054-5 433 Glb Nürnberg  
40 80 956 0 055-2 433 Glb Nürnberg  
40 80 956 0 056-0  434 Brb Braunschweig  
40 80 956 0 057-8  434 60039 -> 60 80 092 3 220-8 -> 40 80 1411 034-5 D-DB

Anmerkung zur vorstehenden Tabelle:
Leider liegt mir kein vollständiges Verzeichnis der Dienststellennummern vor. Bei einigen Dienststellen konnte ich die jeweilige Nummer deshalb nicht in Klartext "übersetzen". Auch ein Wechsel der Dienststelle war möglich, so dass die entsprechende Spalte nur eine Momentaufnahme zeigt.
Die ex-Güterwagennummern und auch die Fabriknummern sind mit Vorsicht zu genießen, da die entsprechenden Schilder an den Wagen (sofern überhaupt vorhanden) durch die Verwitterung oftmals nur sehr schwer zu entziffern sind. Für weitere Ergänzungen und Berichtigungen wäre ich dankbar.
Einige Wagen sind auch als Bahnhofswagen verwendet worden und andere auch als Privat-Bahndienstwagen eingestellt worden. Folgende Nummern sind mir bekannt (soweit die ehemalige DB-Nummer bekannt ist, sind diese Nummern auch in der obigen Tabelle aufgeführt):
Bahnhofswagen 79 390 BA 433 Herst. Graaf 1955/8935
Bahnhofswagen 79 391 BA 433
60 80 092 3 040-0 BA 440 Eigentümer: RWE (Trafo-Begleitwagen) (ex 40 80 956 0 024-8)
60 80 092 3 041-8 BA 433 Eigentümer: RWE (Trafo-Begleitwagen) (ex 40 80 956 0 046-1)
60 80 092 3 220-8 BA 434 Eigentümer: DGT (ex 40 80 956 0 057-8; -> 40 80 1441 034-5 D-DB) 
60 80 092 3 740-5 BA 433 Eigentümer: Schweerbau 
60 80 092 3 843-7 BA 440 Eigentümer: DBG / Speno (zum Schleifzug RR 32 M 3)
60 80 092 3 845-3 BA 440 Eigentümer: DBG Duisburg
60 80 092 3 846-0 BA 440 Eigentümer: DBG Duisburg -> über Eisenbahnbedarf Bad Orb nach Italien verkauft
60 80 092 3 847-8 BA 440 Eigentümer: Bayer CropScience Deutschland GmbH (Einsatz in einem Spritzzug) 
60 80 092 3 848-6 BA 440 Eigentümer: DBG Duisburg
60 80 092 3 874-2 BA 440 Eigentümer: DBG Augsburg (zur Langschieneneinheit)
60 80 092 4 007-8 BA 433 Eigentümer: Schweerbau (ex DB 21x x98 Glmms 50, Herst. LHB 1956) 
60 80 092 4 008-6 BA 433 Eigentümer: Schweerbau (ex DB 152 7 467 Gbs 245 ex DB 805 8 081 Ibblps 393) 
60 80 092 4 881-6 BA 433 Eigentümer: Schweerbau (ex 40 80 956 0 005-7) 
Für Zuordnungshinweise zu den ex-DB-Nummern und evtl. weitere Privatwagennummern wäre ich dankbar

Der Chemnitzer Wagen (956 0 013) hat eine grüne Lackierung und eine Reichsbahn(ähnliche) Beschriftung erhalten und erinnert eher an die ähnlich aussehenden Wagen der Reichsbahnbauart "Uckro". Auch 956 0 012, 956 0 014 und 956 0 032 sind in grün lackiert, während der DGT- und die Schweerbau-Wagen in gelb lackiert wurden. Der Wagen aus dem Lehrhilfszug (956 0 007) ist rot lackiert, während der Wagen der Hoechst AG (ex 956 0 044) dagegen in dezentem grau gehalten ist. Gibt es noch weitere Wagen als Bahnhofswagen oder in Privatbeständen?

Zumindest drei Wagen der Fa. Schweerbau haben ihre Privat-Bahndienstwagennummer mittlerweile wieder verloren und tragen eine [P]-Güterwagennummer:
60 80 092 4 007-8 [P] -> 49 80 120 0 281-8 [P]
60 80 092 4 008-6 [P] -> 49 80 120 0 282-6 [P]
60 80 092 4 881-6 [P] -> 49 80 120 0 283-4 [P]
Gilt dies auch für 60 80 092 3 740-5?


Quellen:
Manson/Protzen - Bahndienstwagen und Dienstgüterwagen - Typenprogramm und Bewirtschaftung
Homepage von Heinrich Priesterjahn mit Bildern der BA 433, 434, 440 und von privaten Wagen
Hinweise von Heinz Kopp, Horst Lauerwald, Peter Hürzeler, Rudolf Ossig (der letztendlich den Anstoß für die Erstellung dieser Seite gab), Paul Scheller und Mathias Bootz (Eisenbahnbedarf Bad Nauheim)
Bilder von Rudolf Ossig, Jörg van Essen, Paul Palmer und Wolfgang Schürmann
Eigene Recherchen und Beobachtungen


Für weitere Informationen zu diesen aus den Gos 245 hervorgegangenen Bauarten wäre ich dankbar. Insbesondere suche ich noch weitere Bilder dieser Wagen, um zu jedem Wagen mindestens ein Bild (besser zwei Bilder wegen der unterschiedlichen Fensteraufteilungen) einstellen zu können. Ich würde mich daher riesig freuen, wenn einer der Leser unterstützend einspringen kann.







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